Granaten in Nachbars Garten: Flüchtige Momentaufnahmen von alltäglichen Verbrechen ebenso wie der kühl analysierende Blick auf die nur scheinbare Sicherheit des normalen Alltags: drei Generationen von Autoren beschreiben die Welt, wie sie sie erleben – Gedichte, die zornig sind und leidenschaftlich, die oft betroffen machen, aber manchmal auch Mut zusprechen. Das Spektrum der Werke umfaßt dadaistische Wortspiele reien wie etwa in Campanile, kommt bei All die Sachen als humoristischer Satzspagat des Wegs und zeigt in Tarnung bitterböse die Bankrotterklärung einer Liebesbeziehung auf. Viele der Autoren eben sich nicht zufrieden mit den durchsichtigen Versuchen internationaler Politik, die Menschen ruhig und kritiklos zu halten. Sie beziehen Stellung gegen die Mächtigen der Welt, teilweise mit feiner Ironie wie in Toh ni Blähr, oft aber auch vehement und mit unverhohlenem Abscheu gegen aktuelles Kriegsgeschehen, Gewalt und politisches Kalkül. So unterschiedlich die Ansätze der in Kalte Stufen gesammelten Gedichte auch sind, etwas eint die Autoren: die erklärte Absicht, sowohl kleine menschliche Grausamkeiten als auch weltumspannenden Irrsinn nicht widerspruchslos zu akzeptieren. Bereit zu sein, nachzudenken und sich zu wehren gegen die Gewöhnung an permanente Verletzungen von Körper und Seele. Eben: eine Granate in Nachbars Garten zu werfen. Nicht um zu töten – sondern um aufzuwecken.

Infos:

  • Taschenbuch: 124 Seiten
  • Preis: 16,80€ (Taschenbuch)
  • ISBN-10: 3980810984
  • ISBN-13: 978-3980810982